Lifestyle & Hobby

 

 

Kräuter Auswahl

Celia Nentwig im Wildpflanzen Interview: Kräutersammeln wo und wie?

Kräuter mit einer Schere abschneiden? Wann sollten Wildkräuter überhaupt gesammelt werden - morgens, nachmittags, gerne auch bei Regen oder muss die Sonne dafür scheinen? So viele Fragen, so viele Antworten im Interview mit unserer Expertin Celia Nentwig.

Wildpflanzen sind gesund, nährstoffreich und lecker. Das einzige, was noch getan werden muss, ist, die schmackhaften Küchengehilfen in den umliegenden Parks, Wäldern oder an den Ufern von Gewässern zu sammeln. Um ins Tun zu kommen gibt uns Celia Nentwig noch ein bisschen Fachwissen mit auf dem Weg. 

In welchen gesundheitlichen Bereichen spielen Wildpflanzen eine Rolle?

Wildkräuter wirken über die Ernährung und haben oft heilende Wirkung. Ein Beispiel hierfür ist der Löwenzahn, dessen botanischer Name „Taraxacum officinale“ lautet. Als eine Offizin bezeichnete man seit dem späten Mittelalter Werkstätten, die z.B. Heilkräuterzubereitungen herstellten, sozusagen die Entsprechung zu unserer Apotheke. 

Als Stadtgewächs auf der Suche nach Wildpflanzen – wo kann in Ballungsräumen überhaupt gesammelt werden?

Das ist ganz spannend, denn man kann sich auch in öffentlichen Parks umschauen. Dort gibt es häufig vergessene Plätze, abseits der angelegten Wege und Wiesen. An den Ecken, wo nichts los ist, wachsen oft Wildpflanzen. Ebenfalls großartig sind brachliegende Flächen, wo beispielsweise Häuser abgerissen wurden. Dort kommen oft Ruderalpflanzen vor, die richtig viel können – wie Wegwarte, Kamille und Johanniskraut. Ebenso interessant sind kleine Gewässer oder Bachläufe. Im Uferbereich wachsen nochmal andere Pflanzen, fündig wird man aber auch innerhalb der Stadt.
In Düsseldorf, dort wohne ich, mag ich beispielsweise das Universitätsgelände. Es gibt viele, weitläufige Grünflächen mit Büschen, die von den Studenten nicht beachtet werden. Und Hunde gibt es auch nur wenige.

Ganz allgemein – wo ist das Wildkräuter-Sammeln überhaupt erlaubt?

Ich fange mal so an – wo wir auf keinen Fall sammeln dürfen, ist in Naturschutzgebieten, Nationalparks, innerhalb von Biotopschutz-Flächen und natürlich auf Privatgrundstücken. Sonst ist das Sammeln im öffentlichen Raum, beispielsweise in Wäldern, Landschaftsschutzgebieten und Naturparks, erlaubt. 

 

Wir haben eine Crux bei der Bezeichnung, die berücksichtigt werden sollte – in Nationalparks wird die Pflanze geschützt. Dort herrscht also ein Sammel-Verbot, während in Naturparks der Landschaftsschutz im Vordergrund steht. Dort darf gesammelt werden, weil es um den Schutz der Landschaft und nicht um den der einzelnen Pflanzen geht.

Was sollte beim Thema Schadstoffbelastung beachtet werden?

Es gibt Bereiche, die ich persönlich konsequent meide: Dazu gehören die ersten fünf bis zehn Meter bei viel befahrenen Straßen. Ich sammle nicht an Feld- und Ackerränder, da man bei konventioneller Landwirtschaft nie weiß, mit welchen Mitteln der Bauer gearbeitet hat. Solche Stoffe bleiben lange auf und in der Pflanze enthalten. Ebenso verzichte ich auf „Hundeeinfallstrecken“ – dort gibt es einfach zu viele Hinterlassenschaften.  

Wieviel darf ich überhaupt sammeln?

Ich würde nie den gesamten Bestand einer Pflanze abernten. Ich gehe achtsam mit den Kräutern um, so nehme ich nur ein paar Blättchen oder Blüten mit, um der Pflanze die Chance zu geben, weiter zu wachsen. So stelle ich sicher, dass die Sammelstelle auch im darauffolgenden Jahr Kräuter hervorbringt. Am besten ist, wenn man nach dem Sammeln gar nicht sieht, dass etwas vom Bestand entfernt wurde.

Kräuter Auswahl
Celia Nentwig beim Sammeln

Wie wird denn optimal geerntet? Mit einer Schere oder per Hand?

Definitiv mit einer Schere, denn oft sind die Pflanzen doch nicht so gut verwurzelt und schon hält man beim Versuch, nur einzelne Blätter zu lösen, die ganze Pflanze in der Hand. Sobald die Wurzel entfernt wurde, ist die Pflanze weg. Solche Attacken überlebt eigentlich nur der Löwenzahn. Sobald nur ein winziges Stück der Wurzel in der Erde bleibt, kommt der Löwenzahn wieder – er ist unverwüstlich.

Gibt es eine optimale Tageszeit fürs Sammeln?

Na klar, optimal Sammeln lässt es sich drei Stunden nach Sonnenaufgang bei heiter-sonnigem Wetter. Aber wann liegen schon so perfekte Bedingungen vor. Deshalb empfehle ich einfach, unbedingt bei trockenem Wetter und eher gegen Nachmittag zu sammeln. Der Grund: Die Nitratsammler, zu denen auch die Brennnessel gehört. Wir wollen wenig Nitrat in unseren Pflanzen und weil der Stoff bis zum Nachmittag wieder von der Pflanze abgebaut wird, sollte sie auch erst dann geerntet werden – das ist bei Spinat und Mangold übrigens ähnlich.

Wir möchten Wildkräuter sammeln – was sollten wir mitnehmen?

Eine Schere, Dosen oder Tüten, um die Kräuter getrennt voneinander zu sammeln, Handschuhe, ein Körbchen für den Transport und ein Hilfsmittel, um die Kräuter zweifelsfrei zu bestimmen.

Gibt es Tipps für Anfänger, für den Fall, dass man sich unsicher bei der Kräuterbestimmung ist?

Ja, für mich gilt auch heute noch der Grundsatz, die Pflanze stehen zu lassen, wenn ich sie nicht eindeutig bestimmen kann. Beim Bärlauch gibt es beispielsweise mehrere Doppelgänger und alle Zwillinge sind suboptimal für die Gesundheit oder gar tödlich – beispielsweise das Maiglöckchen, die jungen Blätter des Aronstabs und die Herbstzeitlose. Maiglöckchen und Aronstab wachsen auch im gleichen Habitat wie Bärlauch, also im Wald unter Buchen und Büschen.  

Schön beim Bärlauch ist der Blatt-Test, den die Wildkräuter-Liebhaber auch zuhause durchführen können: Die Blattoberseite vernetzt sich mit Wasser, während Wassertropfen von der Unterseite einfach abperlen. Bei allen anderen Pflanzen reagieren beide Blattseiten gleich auf Wassertropfen.

Rezepte, Tipps und Infos gibt`s im Buch!

Wildpflanzen - mein Superfood

Leckere Rezepte mit ganz verschiedenen Wildpflanzen, Tipps und Detail-Beschreibungen der Kräuter gibt`s im neuen Buch von Celia Nentwig!

Zum Buch!

KRÄNZE aus meiner Naturwerkstatt: Interview mit Markus A. Reinhold - Teil 2

Im zweiten Teil unseres Interviews sprechen wir mit Floristmeister und Workshop-Leiter Markus A. Reinhold über die Entwicklung seiner Kranzideen, seine schönsten Momente in den Workshops und er erzählt uns, für wen sein neues Buch "KRÄNZE aus meiner ...

weiterlesen

Video: Geranien-Bastkorb selber machen

Geranien sind wahre Blühwunder! In Gruppen arrangiert entstehen auf Balkon und Terrasse oder im Eingangsbereich beeindruckende Topfgärten. Unsere BLOOM's-Floristin zeigt euch hier, wie ihr mit wenigen Handgriffen einen stylishen, sommerlichen ...

weiterlesen
Anmelden
Warenkorb